Guglielmo Calderini (1837-1916)
Guglielmo Calderini wurde am 3. März 1837 in Perugia als Sohn von Francesco und Antonia Poggini geboren.
Er schloss sein Studium in seiner Heimatstadt ab und besuchte dann Universitäten in Turin und Rom, wo er ein Diplom als Bauingenieur erwarb.
Er bekleidete zahlreiche Positionen in den Büros der Zivilingenieure und in der Oberaufsichtsbehörde für Bauwerke in Latium. Parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit übte er eine intensive Lehrtätigkeit aus: von 1868 bis 1882 war er Professor für Architektur an der Akademie der Schönen Künste ‚Pietro Vannucci‘ in Perugia und lehrte anschließend an den Universitäten von Pisa und Rom.
Ausgebildet im kulturellen Klima des vereinigten Italiens, hielt Calderini an der Sprache des akademischen Eklektizismus fest, der durch die Überarbeitung historischer Modelle und die Suche nach monumentalen und repräsentativen Lösungen gekennzeichnet ist. Dieser Ansatz zeigt sich sowohl in den Werken, die er realisierte, als auch in den Projekten, die er bei den zahlreichen Wettbewerben, an denen er teilnahm, einreichte. In der umbrischen Hauptstadt realisierte er insbesondere den Palazzo Bianchi (1888-1904), den Palazzo Cesaroni – den heutigen Sitz des Regionalrats von Umbrien -, die öffentlichen Bäder und die Kirche von San Costanzo mit Säulengang.
Calderinis Ruhm bleibt jedoch vor allem mit zwei römischen Werken verbunden: dem Entwurf und der Realisierung des Quadriportikus der Basilika St. Paul vor den Mauern und vor allem dem Justizpalast, dem sogenannten Palazzaccio. Vor allem im letztgenannten Gebäude führte die eklektische Sprache des Architekten zu einem imposanten Bauwerk, das von der Spätrenaissance und dem Barock inspiriert ist und Feierlichkeit und institutionelle Autorität zum Ausdruck bringen soll. Die Arbeiten, die zwischen 1887 und 1888 begannen, zogen sich lange hin und wurden erst 1910 abgeschlossen. Der Bau dauerte sehr lange und wurde nach seiner Fertigstellung sowohl für die technischen und administrativen Kontroversen, die die Baustelle begleiteten, als auch für die negativen ästhetischen Bewertungen kritisiert.
Trotz der Kontroverse blieb der Palazzo di Giustizia das emblematischste Werk seiner Karriere und eines der bedeutendsten Beispiele für den monumentalen Eklektizismus im Italien der Nachkriegszeit.
Guglielmo Calderini verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Rom, wo er am 12. Februar 1916 starb.
Sie können die Sterbeurkunde auf demAhnenportal einsehen: Archivio di Stato di Roma > Stato civile italiano > Roma > 1916
Das Original wird im Staatsarchiv Rom aufbewahrt.
